Bürgermeister Claus Pichler tritt wieder an.

25. September 2019

Viele haben es schon gewusst, weil er kein Geheimnis daraus gemacht hat, aber jetzt hat er es offiziell bekanntgegeben: Claus Pichler wird im März 2020 wieder für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. Die dafür gesetzlich vorgeschriebene Aufstellungsversammlung, in der zusätzlich die Gemeinderatskandidaten nominiert werden, wird im November stattfinden.

In einem Rückblick, der auch emotional berührend war, schilderte Claus Pichler seinen Weg in die Politik. Die Weichen dafür wurden schon in seiner Jugendzeit in langen Diskussionen im häuslichen Wohnzimmer mit seinem Vater Hans Pichler, dem Oberhauser Hans, gestellt. Geduldig habe dieser auf die ständige Kritik seiner Söhne reagiert und sie aufgefordert, es später selber einmal besser zu machen. Als es 2008 dann mit der Kandidatur Ernst wurde, habe es langer Gespräche mit Freunden bedurft, um herauszufinden, wie man zum Beispiel mit der Unsicherheit über den möglichen Ausgang der Wahl umgehen könne. Für die Kandidatur 2020 sei die Frage dazugekommen, ob die innere Spannkraft noch ausreiche, seinen Vorbildern wie zum Beispiel dem Mayer Hias oder seinem Vater gerecht zu werden. Nachdem aber auch die körperliche Fitness noch passe, habe sein Entschluss festgestanden, denn nirgends könne man soviel für seine Mitbürger tun und so nahe am Menschen arbeiten wie als Bürgermeister. Für ihn sei der Bürgermeister Teil der dörflichen Familie.

Nach diesem Ausflug in die inneren Beweggründe ging Pichler darauf ein, was für verschiedene Bevölkerungsgruppen getan worden sei und in den nächsten sechs Jahren anstünde. Als ehemaligem Lehrer stehen für ihn Kinder und Jugendliche weit im Vordergrund. Die Aktivitäten begannen mit der Renovierung der Schule und der Turnhalle. Die Betreuungsangebote an der Schule wurden stark erweitert. Bereits jetzt seien in der Grundschule Mittagsbetreuung und Hausaufgabenbetreuung eingeführt. Entsprechend dem Bedarf werde es ab diesem Schuljahr die offene Ganztagsschule auch in der Grundschule geben, eine Jugendsozialarbeit in der Mittelschule existiert ebenfalls. Die dafür notwendigen baulichen Veränderungen am Schulhaus, z.B. eine Mensa, sind ein Projekt für die nächsten Jahre. .

Zusammen mit der Katholischen Jugendfürsorge wird eine Kinderkrippe betrieben. Der Katholische Kindergarten St. Irmengard an der Schule umfasst fünf Gruppen, eine weitere Gruppe befindet sich im HPZ. Sowohl der Kindergarten als auch die Kinderkrippe müssen umgebaut und erweitert werden, damit alles wieder den geänderten Anforderungen an die Einrichtungen entspricht. Dafür laufen zur Zeit die Planungsgespräche. Die bürokratischen Hürden sind allerdings hoch, ihre Überwindung nimmt viel Zeit in Anspruch. Wenn das Vorhaben verwirklicht ist, wird im Schulhaus Platz frei, um eine bessere Versorgung zu ermöglichen, deren Notwendigkeit sich aus den Ganztagesangeboten ergibt. Es ist absehbar, dass solche Angebote immer stärker in Anspruch genommen werden. Die Waldspielgruppe, die sich wieder gebildet hat, stellt eine gute Scharnierfunktion für die Kinder vor dem Eintritt in den Kindergarten dar. Auch hier ist ein erweitertes Angebot denkbar, es muss aber gut mit den bestehenden Einrichtungen abgestimmt werden. Zur Zeit gibt es in der ganzen Region einen Mangel an Erziehungskräften.

Am Beispiel des neuen Kinderspielplatzes in Bibelöd schilderte Claus Pichler, wie schwierig es ist, selbst ein auf den ersten Blick so einfaches Projekt durchzuführen. Dabei war das Grundstück bereits im Gemeindeeigentum. Erforderlich ist aber erst einmal ein genehmigter Bauplan. Dazu kam die Frage der Weiderechte, obwohl die Fläche bereits als Parkplatz genutzt war. Letztlich musste auch noch der Bebauungsplan geändert werden, und bei der Frage der Gestaltung und Ausstattung mit Geräten waren viele Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Über dem Ganzen schwebt noch dazu immer die Frage nach der Finanzierung und der erreichbaren Zuschüsse.

Die Bürgersprechstunde wird seit 2008 konsequent durchgeführt. Die Themen sind vielfältig und reichen von allgemeiner Gemeindepolitik bis zu ganz individuellen Anliegen. Dringend notwendig ist die Sanierung des Rathauses, die zur Zeit stattfindet, alleine schon wegen der Brandschutzauflagen und der notwendigen Fluchtwege. Die Provisorien aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entsprachen nicht annähernd mehr den geltenden Gesetzen. „Die Gelegenheit nutzen wir auch, das Dachgeschoss so auszubauen, dass dort rationell gearbeitet werden kann und die Heizenergie nicht durch das Dach verlorengeht“, so der Bürgermeister. Es wurde darüber hinaus höchste Zeit, einen barrierefreien Zugang zu schaffen und ein Behinderten-WC einzurichten.

Der Staat fördert normalerweise Baumaßnahmen an Rathäusern nicht. Mit dem richtigen Konzept habe man für Ruhpolding trotzdem einen Zuschuss von einer halben Million Euro gesichert.

Barrierefreiheit ist auch im Ortskern ein wichtiges Thema. Mit seiner Sanierung sind zwischen Dorfbrunnen, Bahnhof und Kreisverkehr schon viele Stufen beseitigt worden. Verbessert werden muss die Anbindung mit Fußwegen zum Haus der Gesundheit und zum Sen Vital. Ein Wunschtraum ist für Claus Pichler ein Haus der Generationen im alten Pfarrhaus, wo Alt und Jung mitten im Dorf zusammenkommen könnten. Hier sind aber noch soviele Hindernisse zu überwinden, dass noch einige Zeit vergehen wird.

Eine der klassischen Pflichtaufgaben der Gemeinde ist der Straßenbau. Hier ist in den letzten Jahren vieles verbessert worden, zuletzt im Ortskern der Abschnitt von der Volksbank bis zur Sparkasse. In Ordnung gebracht worden sind auch die Urschlauer Straße, die Froschseestraße und schon vor längerer Zeit die Miesenbacher Straße. Im Bau befindet sich zur Zeit die Straße nach Hinterreit und Egg. In den nächsten Jahren stehen als größere Maßnahmen die Rathausstraße und das Umfeld der ehemaligen Tourist-Info samt Kurpark und Parkplatz an. Neben dem schon fertiggestellten Geh- und Radweg zwischen Zeller Kirche und Haus der Stadt Nürnberg sind weitere Radweganbindungen geplant, für das nächste Jahr zum Beispiel an der Brander Straße zusammen mit dem Landkreis.

Zu den Pflichtaufgaben gehören auch die Versorgung mit Trinkwasser und die Beseitigung der Abwässer. Der Ausbau der Kanalisation ist für Ruhpolding abgeschlossen, es sind allerdings ständige Verbesserungen an der Kläranlage notwendig. Noch nicht ganz so weit ist es mit der Wasserversorgung. Der Ausbau nach Westen ist im vollen Gange. Er muss noch 2020 abgeschlossen werden, da sonst die staatlichen Förderungen nicht gewährt werden. Die Planungen für diese Maßnahmen haben bereits 2016/2017 begonnen, vorher war darüber schon seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts diskutiert worden. Der Druck, tätig zu werden, war in den letzten Jahren gestiegen. Private Anlagen werden immer stärker überwacht, die Sommer werden trockener, und die Gemeinde ist immer verpflichtet, Trinkwasser zu liefern, notfalls mit Tankwagen, was schon geschehen ist. Mit einer weiteren Quelle, die in diesem Zusammenhang dazukommt, wird die Wasserversorgung für den ganzen Ort sicherer. Trotzdem bleibt auch hier noch etwas zu tun: Die Anlagen rund um die Grashofquelle müssen neu gebaut werden, und manche Wasserleitungen sind sanierungsbedürftig.

Die Feuerwehr gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Gemeinde. Hier wird an den verschiedensten Fronten gekämpft, nicht nur bei Bränden, sondern auch bei Unfällen, Lawinen und vielem mehr. Die freiwillige Feuerwehr erbringt dabei großartige Leistungen. Dafür wendet die Gemeinde jährlich einen sechsstelligen Betrag auf. In den letzten Jahren wurden mehrere Fahrzeuge beschafft, zuletzt die Drehleiter in Kooperation mit umliegenden Gemeinden, was die Kosten spürbar gesenkt hat. In den kommenden Jahren muss am jetzigen Standort die Situation verbessert werden. In das Konzept sind auch das Rote Kreuz und die Bergwacht sowie der Bauhof mit einzubeziehen.

Die Gemeinde verfügt über umfangreiche Liegenschaften, die alle unterhalten werden müssen. Dazu gehören Turnhalle, Schule, Rathaus, Bahnhof, Schloss, Kurhaus, Bäder, Eishalle und vieles mehr. Im Moment wird gerade die Leichtathletikanlage im Waldstadion saniert. Der Bürgermeister hat dafür Zuschüsse herausverhandelt, die aus dem Topf für Schulsportanlagen kommen. Weitere Flächen zum Beispiel für ein zusätzliches Fußballfeld sind bisher schwer zu finden, unter anderem deshalb, weil das Umfeld mit Weiderechten belastet ist. Das Funktionsgebäude muss in den nächsten Jahren ebenfalls hergerichtet werden.

In der Öffentlichkeit wird Ruhpolding und Biathlon oft in einem Atemzug genannt. Der Umbau der Chiemgauarena war eine der ersten Maßnahmen in der Amtszeit des Bürgermeisters. Mittlerweile ist sie in einen Eigenbetrieb umgewandelt worden. Die Rechnungslegung ist damit transparenter. Für den Betrieb hat der Gemeinderat einen Werksausschuss eingerichtet. Der Weltcup ist immer eine schöne Woche, in der sich Ruhpolding als guter Gastgeber darstellen kann. Die Finanzierung der Arena erfordert dauerhaft Mühe und Verhandlungsgeschick, um ausreichend hohe Zuschüsse von Land und Bund zu sichern.

Tourismus ist Claus Pichler sozusagen in die Wiege gelegt. Deshalb sei es für ihn sehr wichtig gewesen, den Bahnhof zu erwerben und dort die Tourist-Info unterzubringen. Es gab dabei viele Widerstände auch im Gemeinderat zu überwinden. Die Kritik ist inzwischen verstummt, da sich das ganze Ensemble zu einem echten Schmuckstück entwickelt habe. Zur touristischen Infrastruktur gehört auch die Chiemgau-Karte, die vom Bürgermeister, jetzt in Zusammenarbeit mit Inzell, sehr stark gefördert wird. Das neue Hotel in Zell hat einen sehr guten Start gehabt. Es bringt bisher die gewünschten Effekte, spürbar im ganzen Dorf. Auch wenn die unbebaute Wiese schöner gewesen wäre: Um die touristische Infrastruktur zu erhalten, muss ein Ersatz für die etwa 2000 Gästebetten geschaffen werden, die in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen sind. Da im Ruhpoldinger Talkessel die Flächen äusserst knapp sind, dürfte es kaum möglich sein, anderes Gewerbe als den Tourismus in nennenswertem Umfang anzusiedeln. Zum Erhalt der Bäder steht der Bürgermeister mit den Nachbargemeinden im ständigen Gespräch über eine bessere Kooperation.

Als neuer Themenkomplex tut sich die Frage der Energieversorgung auf. Ruhpolding wird sicher an das Erdgasnetz angeschlossen werden. Ab dem kommenden Jahr wird die Gemeinde das Heizkraftwerk selber betreiben. Es gibt Überlegungen, für die Bäder ein eigenes Blockheizkraftwerk zu errichten.

Die Aufgabe des gemeindlichen Wohnungsbaus liegt beim Wohnbauwerk. Der noch vorhandene Wohnungsbestand befindet sich in einem weitgehend guten Zustand. Neue Mietwohnungen sind in einem Haus mit voraussichtlich zwölf Wohneinheiten in der Innerlohener Straße in Planung. Sie entstehen im Rahmen des Wohnungspakts Bayern, einem Förderprogramm des Freistaats. Er übernimmt 30% der förderfähigen Kosten.

Über allem schwebt immer die Frage des Haushalts und der Finanzen. Die Situation sei am Beginn seiner Amtszeit sehr schwierig gewesen, seit 2013 sinkt aber der Schuldenstand auf nunmehr 12,7 Mio €, und es konnten 1,6 Mio € Rücklagen gebildet werden. Mit größter Sparsamkeit und konsequenter Ausnutzung aller Fördermöglichkeiten dürfte es möglich sein, die Schulden weiter zu reduzieren. Ein Stillstand der Aktivitäten ist weder absehbar noch zu befürchten. „In Ruhpolding wird es nie langweilig“, so der Bürgermeister. Auch deshalb würde er gerne noch sechs Jahre weitermachen. HAB

Claus Pichler in der Ausstellung

Foto: SPD Ruhpolding

Der Ortsverein hatte seine Versammlung diesmal in die Alte Schule verlegt, weil dort gleichzeitig die Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der SPD Ruhpolding stattfand. Das Bild zeigt den Vorsitzenden Johannes Hillebrand, die Kreisrätin Elisabeth Holzner, Bürgermeister Claus Pichler und den stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsvereins, Johannes Stief.

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